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Das Thema Organspende im Kino: Das Leben meiner Tochter

Das Leben meiner Tochter

Pünktlich zum Tag der Organspende in Kiel hat Steffen Weinert in diesem Jahr das Thema Organspende auf die Leinwand gebracht. In seinem spannenden Film erzählt er die Geschichte der achtjährigen Jana und ihrer Eltern. Das Leben der Familie in der Schwarzwaldidylle wird von heute auf morgen zerrissen, als Jana (Maggie Valentina Salomon) aus heiterem Himmel erkrankt und ein Spenderherz benötigt. Die Eltern verzweifeln in der quälenden Wartezeit. Als sich ein Jahr lang nichts getan hat, erträgt Janas Vater Micha Faber (Christoph Bach) die Untätigkeit nicht mehr und sucht gegen den Willen von Janas Mutter Natalie (Alwara Höfels) Kontakt in ein Milieu, dessen Kriminalität er verdrängt, bis es fast zu spät ist: Erst in dem von Kriminellen betriebenen Krankenhaus in Rumänien, in dem Jana für 250.000 Euro ein neues Herz erhalten soll, realisiert er, worauf er sich eingelassen hat. Jana hatte da schon längst erkannt, dass etwas nicht stimmt. Zurück in Deutschland wird Micha Faber wegen versuchten Organhandels verurteilt. Jana stirbt.
Unter den vielen Themen, die in diesem ausgezeichneten Film in mehreren Schichten übereinander gelegt werden, ragt das Thema Organspende heraus: Die gezeigte Verzweiflung, in die Eltern von jungen Wartepatienten gestürzt werden, ist real, auch wenn das Verhalten von Micha Faber, der auch im Beruf als Macher gezeigt ist, der sich nicht davon abbringen lässt, dass man Ziele mit Eigeninitiative erreichen kann und muss, eine extreme Variante darstellt.

Der Film hat drei wichtige Botschaften:

Erstens: Jeden kann es treffen. Die Wartepatienten sind, anders als manche Kampagne suggeriert, nicht irgendwelche anderen Menschen, die neben der Gesellschaft stehen. Eine solidarisch organisierte Gesellschaft schließt ihre Wartepatienten in ihre Solidarität ein.

Zweitens: Die Wartezeit ist grausam, nicht nur für den Patienten selbst, sondern auch für seine Familie und sein enges Umfeld, für Eltern eines jungen Wartepatienten manchmal schlimmer als für diesen selbst.

Drittens: Die Situation der Organspende in Deutschland ist erdrückend. Steffen Weinerts Film nimmt die Perspektive der Wartepatienten auf das Thema Organspende ein, ohne in der aktuellen Debatte Position zu beziehen. Die Schlussfolgerung für die persönliche Einstellung zur Organspende oder für die richtigen politischen Weichenstellungen bleibt dem Zuschauer überlassen. Steffen Weinert und Christoph Bach haben betont, mit dem Film in der aktuellen Debatte um eine Widerspruchsregelung nicht Stellung beziehen zu wollen. Aber der Film stellt genau die Fragen, auf die in dieser Debatte nach einer Antwort gesucht wird.

Sportlerinnen und Sportler von TransDia Sport Deutschland haben deshalb in ganz Deutschland an Podiumsdiskussionen im Anschluss an die Premierenvorstellungen teilgenommen. Die nachdenklichen Fragen des Publikums haben dabei gezeigt, dass die Kernbotschaften des Films angekommen sind.


Foto (© Oliver Walterscheid): Podiumsdiskussion im Anschluss an die Premierenvorstellung in der Berliner Kulturbrauerei: Detlef Bösebeck (DSO), Eberhard Schollmeyer (TransDia), Julia Vismann (Radio 1, Moderation), Chantal Bausch (Sportlerin mit Spenderherz) und Kai-Uwe Eckardt (Charité Berlin).