In Deutschland erklären sich zu wenige Menschen zur Organspende bereit. Und ihre Zahl nimmt sogar noch weiter ab Denn die Zustimmung sollte explizit formuliert werden. Auf einem Symposium in Berlin wurde klar: Das wird vorerst so bleiben.
„Willst Du Dein Herz mir schenken, so fang es heimlich an“, heißt es in einem Lied von Johann Sebastian Bach. Das ist schön und poetisch – und mag in der Liebe stimmen. Für den Fall, dass Sie bereit sein sollten, Ihr muskulöses Zentralorgan eines Tages ganz konkret und materiell einem anderen Menschen zu vermachen, sollten Sie jedoch Heimlichkeiten vermeiden: Die Bereitschaft zur Organspende bringt man am wirkungsvollsten mit einem Organspendeausweis zum Ausdruck. Denn in Deutschland gilt die erweiterte Zustimmungslösung: Nur wenn ein Mensch vor seinem Tod deutlich erklärt hat, dass er oder sie im Falle eines Falles bereit wäre, Herz, Leber oder Niere für einen Kranken zur Verfügung zu stellen, ist die Lage eindeutig. Findet sich keine solche Erklärung – zum Beispiel in Form eines Organspendeausweises –, dann können die Ärzte auf der betreffenden Intensivstation allenfalls versuchen, mit den Angehörigen über die Frage zu sprechen, wie dieser Mensch zu Lebzeiten über die Frage dachte. Der Zeitpunkt, zu dem das Gehirn eines lieben Angehörigen unwiderruflich aufgehört hat zu arbeiten, seine übrigen Organe aber dank apparativer Unterstützung noch für kurze Zeit „funktionieren“, ist für ein derart heikles Gespräch jedoch denkbar ungünstig.
Seit Jahren klagen Mediziner der verschiedenen betroffenen Fachdisziplinen, dass es an der erklärten Bereitschaft zur Organspende in Deutschland hapert. Nur 347 Herzen seien im Jahr 2009 in Deutschland transplantiert worden, meldete etwa gerade die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG). Der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung. Und das keineswegs, weil andere, bessere Behandlungsformen das Verpflanzen von Herzen inzwischen überflüssig gemacht hätten. „Rund 950 Menschen warten zurzeit in Deutschland auf eine Herztransplantation“, sagt Friedhelm Bayersdorf, Präsident der Fachgesellschaft. Und er ergänzt: „Bei vielen ist das Herz so geschwächt, dass sie ans Krankenbett gefesselt sind oder sogar täglich mit dem Tod ringen.“
Bei anderen Organen sieht das Bild ähnlich aus: Ende 2007 standen fast 8000 Patienten auf der Warteliste für eine Niere, es wurden aber nur 2152 Transplantationen vorgenommen, bei der Leber ist die Warteliste doppelt so lang wie die der Transplantationen. Die Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation für das Jahr 2008 sind alarmierend: Es gab neun Prozent weniger Spenden als im Vorjahr, die Zahl der gespendeten Organe sank unter 4000, insgesamt warten 12 000 Patienten auf ein Organ. Jeden Tag sterben in Deutschland drei Menschen, die auf einer Transplantations-Warteliste stehen. Je aussichtsreicher die Chancen auf Lebensrettung durch ein neues Organ auch für alte und schwerkranke Menschen werden, desto mehr Spenderorgane werden gebraucht.
Dabei finden vier von fünf Bundesbürgern es grundsätzlich gut, die Zustimmung für eine solche Entnahme eines Organs für den Fall der Fälle zu geben. Trotzdem haben nur zwölf Prozent einen Organspendeausweis. Ulrich Boltz vom Bundesverband der Organtransplantierten, der selbst seit Jahren mit dem Herzen eines anderen Menschen lebt, findet, man könne nicht verlangen, dass jeder sich als Spender zur Verfügung stellt, doch müsse man von jedem erwarten, dass er oder sie wenigstens darüber nachdenkt.
Hilft es, wenn man seine Zustimmung auf dem Führerschein oder dem Personalausweis dokumentieren kann? Dürfen „moderate finanzielle Anreize“ sein, etwa das Angebot einer kostenlosen Bestattung für Organspender? Oder sollte die Widerspruchslösung eingeführt werden, wie sie in Österreich und anderen Ländern gilt? Dort kommt prinzipiell jeder als Spender infrage, der sich nicht ausdrücklich ablehnend äußert. Roland Hetzer, Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin, kämpft für die Änderung des derzeit geltenden Transplantationsgesetzes und befürwortet die in anderen Ländern erfolgreiche Widerspruchsregelung. Für eine solche Lösung hat sich auch der Nationale Ethikrat, die Vorläuferinstitution des jetzigen Deutschen Ethikrats, im Jahr 2007 ausgesprochen. „Wenn der Gesetzgeber die Widerspruchslösung einführen würde, dann wäre das ein Signal an die Gesellschaft, was der Normalfall ist“, sagte der Jurist Jochen Taupitz von der Uni Mannheim, der damals an der Empfehlung mitwirkte, kürzlich bei einem Symposium, das die Bundesärztekammer in Berlin zu dem Thema veranstaltet hatte.
Auf diesem Symposium zeigte sich jedoch auch, dass die Standesorganisation der Ärzte es nicht für sinnvoll hält, an der derzeit geltenden Regelung zu rütteln. „Kann man es der Bevölkerung überhaupt vermitteln, wenn wir nach über zehn Jahren zum Widerspruchsmodell wechseln?“, gibt der Jurist Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, zu bedenken. Er hält es für vordringlich, dass Ärzte in den Krankenhäusern die Patienten, die als Spender infrage kommen, zuverlässiger melden. Hier könne man sich an Spanien ein Beispiel nehmen. „Dort wurden per Königlichem Dekret in jedem Krankenhaus Transplantationsbeauftragte eingeführt, die zudem aufgrund ihres Amts eine bessere Bezahlung bekommen.“ In Deutschland dagegen wird diese Aufgabe meist nicht zusätzlich honoriert. Dabei ist es für die Ärzte auf Intensivstationen eine ungeheure Belastung, mit den Angehörigen über den Hirntod ihres Verwandten und das Thema Organspende zu sprechen.
„Es muss schon vorher, in den Familien, viel mehr darüber geredet werden“, meint Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen. Ohne Anhaltspunkte aus solchen Gesprächen wird der Gedanke, das Herz eines anderen zu verschenken, wohl fast jedem unheimlich vorkommen.
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Quelle: Tagesspiegel vom 15.03.2010
Eineinhalb Jahre nach einer Nierentransplantation wird eine 36-Jährige schwanger - und bringt trotz ständiger Medikamenteneinnahme ein gesundes Kind zur Welt. Ihre Geschichte soll Vorbild sein: Die Kölner Kliniken hoffen auf mehr Organspender.
Köln - Die leichte Gewichtszunahme, die Renate Iseni auf Stress und zu viel Schokolade zurückgeführt hatte, hatte einen ganz anderen, sehr lebendigen Grund: Max war unterwegs. Mit einer Schwangerschaft hatte Renate Iseni überhaupt nicht gerechnet. Sie hatte nach vielen anstrengenden Jahren als Dialysepatientin gerade anderthalb Jahre zuvor endlich eine Nierentransplantation bekommen. Jetzt befand sie sich noch in der Phase, da sich der Körper an das Spenderorgan gewöhnen muss - mit erheblicher Medikamentenzufuhr.
Dass sie im fünften Monat schwanger war, teilte ihr ihre Frauenärztin bei einer Routineuntersuchung mit. Sie war schlicht schockiert und hatte große Sorge, durch die Medikamente, die sie nehmen musste, Leben und normale Entwicklung des ungeborenen Babys zu gefährden. Das wollten die damals 36-Jährige und ihr Partner Ralf Schlüssler auf keinen Fall.
Wie sie mit großer Unterstützung durch Kölner Kliniken und Arztpraxen den kurzen Rest der Schwangerschaft erlebt hat, berichtete die Mutter jetzt bei einem Ärztesymposium zum Thema Transplantation. Sie schilderte ihre beträchtlichen Ängste, den Untersuchungsmarathon und schließlich die innerhalb kurzer Zeit getroffene Entscheidung für das Kind, das gesund zur Welt kam und jetzt fast fünf Jahre alt ist. „Ich will anderen Frauen Mut machen zur Entscheidung für ein Kind“, sagt die Patientin. Ihrer Spenderniere und ihren Blutwerten hat die Schwangerschaft nicht geschadet.
Mit positiven Patientengeschichten wie der von Renate Iseni, die als Dialysepatientin nur eine verschwindend geringe Chance auf Mutterschaft gehabt hätte, wirbt das Transplantationszentrum der Uniklinik Köln um Aufmerksamkeit - und natürlich um Spender, die bereit sind, nach dem eigenen Tod einen Beitrag zum Überleben und zur Lebensqualität schwer kranker Menschen zu leisten.
Bei einem Ärztekongress im Uniklinikum hat Renate Iseni, die seit ihrem 14. Lebensjahr nierenkrank war und nach dem Fortschreiten der Krankheit sieben Jahre auf eine Spenderniere warten musste, von ihrer Familienplanung berichtet. „Wir müssen Transplantationspatientinnen nicht grundsätzlich von einer Schwangerschaft abraten“, sagt Nephrologe Sven Teschner, Oberarzt an der Klinik IV im Uniklinikum. Nierenkranke, die wöchentlich dreimal zur Dialyse müssten, hätten weit geringere Chancen zur Mutterschaft. „Das ganze Leben wird viel leichter“, sagt Renate Iseni, die nach der Transplantation voller Elan die neue Freiheit nutzte und - abgesehen von der Mutterschaft - eine Umschulung begann.
„Wir würden solche Möglichkeiten gern sehr viel mehr Menschen eröffnen“, sagt Teschner. Doch ist die Zahl der Organspender sehr viel geringer als der Bedarf. 8500 Menschen auf der Warteliste stehen bundesweit nur 2000 bis 2500 Transplantationen jährlich gegenüber. „In Köln sind die Transplantationszahlen im Vergleich recht hoch“, sagt der Arzt, „doch könnten wir weit mehr als jährlich 150 Nierentransplantationen - inklusive der Lebendspenden - und je fünf bis zehn Herz- oder Lebertransplantationen leisten“.
Wie Herzpatienten vorübergehend mit einem künstlichen Organ geholfen werden kann, wenn sie auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen, berichtete Prof. Thorsten Wittwer. Ein Kunstherz könne aber nur eine Hilfe auf Zeit sein. „Uns ist es wichtig, ein positives Bewusstsein für die Organspende zu wecken“, sagt Teschner. Das gelte für die Bevölkerung ebenso wie für Medizinerkollegen, die bei der Behandlung Sterbender „irgendwann umschalten müssen von ihrem Wunsch zu heilen hin zu der Frage, ob hier eine Organspende denkbar ist“.
In Köln funktioniere diese interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Transplantationszentrum sehr gut. Die Mediziner seien erfahren darin, beispielsweise nach dem Hirntod eines Patienten behutsame Gespräche mit den Angehörigen zu führen, die mit einer Organspende einverstanden sein sollten. Denn in Deutschland kann nur Spender sein, wer sich dazu bereit erklärt hat und dessen Angehörige diesen Wunsch möglichst bestätigen. Teschner wünscht sich daher, dass viele Menschen schon in gesunden Tagen nicht nur einen Organspenderausweis ausfüllen, sondern auch mit ihren Angehörigen über diesen Wunsch sprechen.
Die Erfahrung der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass keineswegs nur „der tödlich verunglückte junge Motorradfahrer“ als Organspender gebraucht werde, so der Mediziner. Vielmehr kämen durchaus Organe nicht völlig gesunder Menschen in Betracht. Auch ein schon älteres Herz oder eine Niere könnten, wenn alles passt, dem transplantierten Patienten „große Lebensqualität“ schenken.
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Quelle: Beatrix Lampe, 14.03.10, Kölner Stadtanzeiger
http://www.ksta.de/html/artikel/1264185947415.shtml
BALTIMORE (ob). Wer einem anderen Menschen eine Niere spendet, hat deswegen offenbar keine späteren Gesundheitsrisiken zu befürchten. Auf lange Sicht entspricht das Mortalitätsrisiko von Spendern dem von Nicht-Spendern.
Nierenspender haben kein höheres Mortalitätsrisiko als Nicht-Spender.
Diesen Schluss ziehen US-Forscher aus Ergebnissen der bislang umfangreichsten Studie zur Frage möglicher Langzeitrisiken von Lebendnierenspenden (JAMA 303, 2010, 959). In dieser Studie hat ein Team von der John Hopkins University in Baltimore Daten von 80 347 Personen analysiert, denen als Spender zwischen 1994 und 2009 in den USA eine Niere entnommen worden war. Die Beobachtung erstreckte sich über einen Zeitraum von bis zu zwölf Jahren (im Median 6,3 Jahre). Als Vergleichsgruppe dienten 9364 ausgewählte Teilnehmer einer epidemiologischen Langzeitstudie (NHANES III), die in ihren gesundheitlichen und soziodemografischen Merkmalen den Spendern möglichst ähnlich sein sollten.
In den ersten 90 Tagen nach der Organentnahme war das perioperative Sterberisiko von Spendern im Vergleich zu Kontrollen zwar signifikant höher, insgesamt aber sehr niedrig (3,1 versus 0,4 pro 10 000 Fälle). Ein erhöhtes perioperatives Risiko stellten die Untersucher etwa bei Männern sowie bei Personen mit bestehender Hypertonie fest.
Nach einem Jahr erwies sich der Unterschied bei der Mortalität zwischen Spendern und Nicht-Spendern aber schon als nicht mehr signifikant (6,5 versus 4,6 pro 10 000 Fälle). Und auch auf lange Sicht war das Sterberisiko von Spendern nicht höher oder sogar niedriger als das von Nicht-Spendern. So lagen die Mortalitätsraten nach fünf Jahren bei 0,4 Prozent (Spender) versus 0,9 Prozent (Nicht-Spender) und nach zwölf Jahren bei 1,5 versus 2.9 Prozent. Das Alter der Spender bei Organentnahme schien ohne Bedeutung für das langfristige Überleben zu sein.
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Ärzte Zeitung online, 10.03.2010
Im Jahr 2009 wurden 347 Herztransplantationen in Deutschland vorgenommen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) mit. Damit sei die Zahl der transplantierten Herzen in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gefallen.
Grund für den Rückgang der Herztransplantationen sei nicht der geringe Bedarf, sondern die mangelnde Bereitschaft zur Organspende, betonte DGTHG-Präsident Friedhelm Beyersdorf bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen. "Rund 950 Menschen warten zurzeit in Deutschland auf eine Herztransplantation. Bei vielen ist das Herz so geschwächt, dass sie an das Krankenbett gefesselt sind oder sogar täglich mit dem Tod ringen.
Die zurückgehende Bereitschaft der Deutschen, Organe im Todesfall zu spenden, um anderen Menschen ein Weiterleben zu ermöglichen, darf nicht weiter hingenommen werden. Hier ist die gesamte Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen. Zusätzlich muss auch die Zahl der Transplantations-Koordinatoren in den Krankenhäusern gesteigert werden", so Beyersdorf.
Insgesamt führten die deutschen Herzchirurgen im vergangenen Jahr knapp 120 000 Operationen durch. Bemerkenswert ist der weitere Anstieg des durchschnittlichen Alters der Patienten. 50 Prozent aller in Deutschland 2009 am Herz operierten Personen waren über 70 Jahre alt, fast zwölf Prozent sogar über 80 Jahre. Hintergrund dafür sei der demografische Wandel, gleichermaßen aber auch der medizinische Fortschritt, der es möglich mache, auch ältere Menschen erfolgreich zu operieren. Auch Früh- und Neugeborene, Säuglinge sowie Kleinkinder mit angeborenen Herzfehlern profitieren. "Fast 2 700 unserer Patienten im Jahr 2009 waren noch kein Jahr alt", sagte Beyersdorf.
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Quelle:
Ärzte Zeitung online, 25.02.2010
Thoraxchirurg PD Karsten Wiebe: "Verfahren ist deutlich schonender" / Patient Jörg Bergelt tritt sieben Wochen nach OP Reha-Maßnahme an
Münster (ukm/dre). Jörg Bergelt lächelt zuversichtlich: "Mit 50 Jahren kann man sich doch nicht hängen lassen, dafür bin ich einfach zu jung. Und jetzt kommt der nächste große Schritt." Der nächste große Schritt, das ist für den Mann aus Ascheberg-Davensberg seine Reha-Maßnahme in Süddeutschland. Einen anderen großen Schritt hat er am 6. Januar bereits gemacht: An diesem Tag wurde ihm im Universitätsklinikum Münster (UKM) eine neue Lunge transplantiert.
Seit sieben Wochen lebt er nun mit der neuen Lunge und wird seitdem am UKM in der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie behandelt. Es ist bereits die sechste Lunge, die Privat-Dozent Dr. Karsten Wiebe seit seinem Dienstantritt am UKM vor neun Monaten am UKM transplantiert hat. Zum Vergleich: In NRW werden pro Jahr ca. 25 Lungen transplantiert. In Deutschland sind es jährlich rund 270 Lungen.

Schon seit vielen Jahren litt Jörg Bergelt an Lungenfibrose, einer Erkrankung des Lungengewebes. Im Krankheitsverlauf kommt es zur Vernarbung des Gewebes, die Lunge "versteift". Dadurch wird die Fähigkeit zum Gasaustausch vermindert. Der Sauerstoff gelangt nicht mehr in ausreichender Menge in die Blutgefäße, was einen Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut bewirkt. Die Lunge verliert an Dehnbarkeit, womit das Atmen immer schwerer fällt. Viele Jahre konnten Jörg Bergelt und seine Ärzte die Krankheit mit Medikamenten unter Kontrolle halten. Noch bis September 2009 arbeitete der heute 50-Jährige: Er war als Servicetechniker weltweit im Einsatz. Dann verschlimmerte sich sein Zustand, er musste ins Krankenhaus.
Kurz vor Weihnachten kam er erneut in das St. Franziskus-Hospital in Münster, wurde dort intensivmedizinisch behandelt. Die Ärzte (Oberarzt Dr. Arne Wichmann) nahmen direkt mit dem UKM Kontakt auf. Jörg Bergelt wurde an Eurotransplant gemeldet als "high urgent", also besonders dringend. "Die Zusammenarbeit zwischen dem UKM und dem St. Franziskus-Hospital verlief hervorragend: Gemeinsam wurden die Unterlagen eingereicht, die nötig waren", blickt UKM-Lungenexperte Wiebe auf die Zeit um Weihnachten zurück. Dann das bange Warten: Denn auch bei besonders dringlichen Fällen kann es bis zu sechs Wochen dauern, bis ein geeignetes Spenderorgan eintrifft. Jörg Bergelt wurde inzwischen künstlich beatmet und ins UKM verlegt: Mit einem so genannten "extrakorporalen Lungenunterstützungssystem" musste dort seine Atmung zusätzlich unterstützt werden.
Transplantation am 6. Januar
Am 6. Januar dann die erlösende Nachricht: Es gibt eine Spenderlunge. Allerdings "passte" diese nicht zu 100 Prozent: Sie war etwas zu groß. Trotzdem akzeptierten die UKM-Mediziner diese Lunge: Während der rund sechsstündigen Operation verkleinerte Thoraxchirurg Wiebe das lebensrettende Spenderorgan. Auf der einen Seite wurde sogar nur einer der beiden Lungenlappen implantiert. Für den Eingriff wählten die UKM-Mediziner um Dr. Wiebe ein relativ junges Verfahren: eine minimal-invasive Operationstechnik. So wurde der Brustkorb nicht großflächig mit einem Querschnitt geöffnet. Stattdessen setzten die Mediziner auf jeder Brustseite einen ca. zehn Zentimeter langen Schnitt. "Dieses Verfahren ist deutlich schonender und es beschleunigt den Rehabilitationsprozess erheblich. Aufgrund der geringeren Wundfläche leiden die Patienten auch an weniger postoperativen Schmerzen und der Aufenthalt auf der Intensivstation kann verkürzt werden", weist Dr. Wiebe auf die Vorteile hin. Zudem betont er: "Bei einem solchen Eingriff müssen Chirurgen, Intensivmediziner, Anästhesisten und die Pflege optimal zusammenarbeiten. Dafür haben wir am UKM die entsprechenden Strukturen, um auch solche neue Verfahren erfolgreich durchzuführen."
In den ersten Wochen nach der Transplantation musste Jörg Bergelt u.a. langsam wieder das eigene Atmen trainieren. Aktuell sind seine Beinmuskeln noch vom mehrmonatigen Krankenhausaufenthalt und dem schweren Krankheitsverlauf geschwächt. Genau daran wird er nun während der Reha-Maßnahme arbeiten: Für ihn ist es der nächste große Schritt mit seiner neuen Lunge.
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Pressemitteilung der Universotätskliniken Münster
URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news357186
Ausdauertraining für Nierenkranke ist während der Hämodialyse möglich - mit einem Bettfahrrad.
In Deutschland leben über 63 000 Dialyse-Patienten, von denen viele einen Typ-2-Diabetes haben. Diese Patienten sind meist unsportlich, haben Übergewicht und eine langjährige Hypertonie. "Das erhöht zusammen mit der Dialyse-Pflichtigkeit das koronare Risiko", sagte Professor Matthias Köhler aus Damp bei einer Veranstaltung des Dialyse-Dienstleisters Diaverum in Hamburg. Ein 30-jähriger Dialyse-Patient sei ähnlich herzgefährdet wie ein 80-jähriger nierengesunder Mensch, sagte der Nephrologe. Grund dafür ist unter anderem die lange Inaktivität bei Hämodialyse-Zeiten von durchschnittlich dreimal vier Stunden pro Woche.
Um diese Zeit besser zu nutzen, bietet die ostseenahe Reha-Klinik ihren Patienten Bettfahrräder an, auf denen sie während der Dialyse trainieren können. Die Ergometer ermöglichen sowohl eine passive Bewegung als auch aktives Treten in die Pedale. Wer regelmäßig eine halbe bis eine ganze Stunde trainiere, verbessere die Phosphat- und Harnstoffelimination und damit die Effektivität der Dialyse, erläuterte Köhler. In anderen Studien, in denen die Patienten an allerdings dialysefreien Tagen unter anderem ein Krafttraining absolvierten, verbesserten sich die Entzündungsmarker, und die Muskelmasse nahm deutlich zu.
Nach den Erfahrungen in Damp starten die meisten Patienten jedoch lieber mit einem die Dialyse begleitenden Training, das ihre Leistungsfähigkeit moderat steigert. Der Ausdauersport wirkt sich auch günstig auf den Lipidstoffwechsel und die Gefäßelastizität aus, zudem bessert sich die Stimmung. "Wichtig ist, das Training nach der Rehabilitation fortzusetzen", so Köhler. In manchen, so etwa in den von Diaverum geführten Dialyse-Zentren, gebe es bereits Bett-Ergometer und weitere Angebote, um Körperkraft und Beweglichkeit zu verbessern.
Die sportlichsten unter den Patienten starten allerdings von Anfang an auf höherem Niveau - so etwa der 45-jährige Andreas Weß, der zu seinen Dialyse-Terminen in Damp stets im Laufschritt kam. Nach seiner Nierentransplantation setzte sich der passionierte Langläufer noch höhere Ziele und ist heute unter anderem amtierender Weltmeister der Organtransplantierten im 5000-Meter-Lauf, den er in weniger als 18 Minuten schafft.
Diaverum will neue Dialyse-Zentren in Deutschland eröffnen
Der Dialyse-Anbieter Diaverum ist aus dem Unternehmen Gambro Healthcare hervorgegangen und hat seinen deutschen Firmensitz in München.
Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Anbieter von Dialyse-Dienstleistungen und Europas größtes unabhängiges Serviceunternehmen bei der Nierendialyse. Zum Netzwerk gehören 190 Kliniken in 14 Ländern mit Schwerpunkten in Südamerika und Südeuropa
In Deutschland ist Diaverum mit Medizinischen Versorgungszentren in Erkelenz und Kleve vertreten, weitere sollen folgen. Die Einrichtungen setzen auf hohe Pflege-Standards, interne Qualitätssicherung und klinische Forschung, um den Bedürfnissen von Dialyse-Patienten gerecht zu werden. (grue)
Quelle:
Von Beate Grübler, Ärzte Zeitung, 02.10.2009
Künstliches Erythropoietin oder Epo, das seit seiner Einführung vor zwanzig Jahren den pharmazeutischen Herstellerfirmen schon zweistellige Milliardenumsätze beschert hat, ist der Blockbuster unter den biopharmazeutisch hergestellten Substanzen. Zwar war das Hormon rasch als Radsportdroge geächtet und stets im Visier der Dopingfahnder. Aber seine Fähigkeit, die Blutarmut vieler Patienten ohne Bluttransfusionen behandeln zu können, verschaffte ihm gleichwohl den Ruf eines innovativen Medikaments, wenn auch eines, mit dem massiv Missbrauch getrieben wird. Allerdings kommen nun auch aus medizinischer Sicht Vorbehalte hinzu. Die Anwendung von Erythropoietin bei Kranken gehöre neu auf den Prüfstand, fordert jetzt Ellis Unger von der Food and Drug Administration FDA, der obersten Zulassungsbehörde für Medikamente in den Vereinigten Staaten ("New England Journal of Medicine", Bd. 362, S. 189).
Erythropoietin ist eine körpereigene Substanz, die hauptsächlich in der Niere produziert wird. Inzwischen steht es als Oberbegriff für eine Vielzahl von Medikamenten, die mehr oder weniger dem natürlichen Erythropoietin ähneln und die korrekt als sogenannte Erythropoese stimulierende Agenzien bezeichnet werden. Sie treiben die Neubildung von Erythrozyten an, jenen roten Blutkörperchen, die im Blut mit Hilfe von Hämoglobin den Sauerstoff transportieren. Als Normwerte gelten Hämoglobingehalte von 14 Gramm je Deziliter Blut bei Männern, zwölf sind es bei Frauen. Sinken diese Werte, so kommt es zur Blutarmut oder Anämie, die sich oft in Abgeschlagenheit, Leistungseinbußen und Müdigkeit äußert. Vor allem chronisch Nierenkranke und Tumorpatienten stellen jenes große Kollektiv anämischer Patienten dar, denen vor der Epo-Ära nur mit Bluttransfusionen geholfen werden konnte. Ihre Hämoglobinwerte endlich verlässlich anheben zu können galt als Durchbruch, der den Erythropoietin-Präparaten in der Medizin mindestens so viel Reputation eintrug wie in der Dopingszene der Ausdauersportarten.
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Wachstumsanreize des Hormons als Ursache
Dass Erythropoietin zwar Laborwerte normalisiert, aber dennoch eher schadet als nützt, wurde schon vor Jahren für chronisch Nierenkranke und Dialysepatienten nachgewiesen. Das Gefahrenpotential war seinerzeit so offensichtlich, dass eine Studie sogar vorzeitig abgebrochen wurde. Jetzt zeigt sich, dass auch Patienten, die eine neue Niere erhielten, häufiger sterben, wenn man ihre zu niedrigen Hämoglobinwerte mit Erythropoietin korrigiert. Das hat eine Gruppe um Rainer Oberbauer, Nephrologe am Elisabethinenkrankenhaus in Linz und Leiter des österreichischen Dialyse- und Transplantationsregisters, herausgefunden. Nach zehn Jahren lebten noch 57 Prozent der mit Erythropoietin behandelten Patienten, jedoch 78 Prozent derer, die die Substanz nicht bekommen hatten ("British Medical Journal", Bd. 339, S. b4018). Es gibt keine wirklich überzeugenden Erklärungen hierfür, aber vieles deutet darauf hin, dass sich die Gefahr der Blutgerinnselbildung vergrößert, weshalb es wohl auch zu mehr Herzinfarkten kommt.
Auch Tumorpatienten haben erfahren müssen, dass sich ihre Prognose unter Erythropoietin eher verschlechtert als verbessert. Sowohl eine Krebserkrankung an sich als auch die oft damit verbundene Chemotherapie lassen die Patienten oft anämisch werden, weshalb auch hier die Verwendung von Erythropoietin plausibel erschien. Es stellte sich jedoch heraus, dass Brustkrebspatientinnen eher sterben, wenn sie damit behandelt werden. Das gilt auch bei Lungenkrebs und Kopf-Hals-Tumoren. Vermutet wird, dass dafür auch die Wachstumsanreize dieses Hormons verantwortlich sind, die womöglich nicht nur auf die Neubildung roter Blutkörperchen stimulierend wirken, sondern ebenfalls auf Krebszellen. Stufenweise wurde daher von den Zulassungsbehörden die Anwendung von Erythropoietin-Präparaten bei Krebspatienten eingeschränkt.
Skepsis gegenüber neuen Anwendungen angebracht
Erythropoietin ist damit zum jüngsten Paradebeispiel für die berechtigten Forderungen der evidenzbasierten Medizin geworden. Wie deren Verfechter gebetmühlenartig wiederholen, ist die Normalisierung eines Blutwertes noch lange nicht gleichzusetzen mit der erfolgreichen Behandlung des Patienten. Wenn der Nutzen für den Patienten nicht ersichtlich ist, dann sollte sich die enthusiastische Nutzung eines Medikamentes von selbst verbieten. Es hat rund 15 Jahre gedauert, bis das erhöhte Sterberisiko von Krebspatienten unter Erythropoietin Konsequenzen zeitigte.
Angesichts dieser Erkenntnisse dürfte sich jede Naivität verbieten, wenn neue Anwendungsmöglichkeiten für Erythropoietin angekündigt werden. Alte herzschwache Patienten sollen jüngsten Studien zufolge ebenso von Erythropoietin profitieren wie Schizophrene und Patienten, die ein neues Hüftgelenk erhalten. Und am transgenen Mausmodell ist gezeigt worden, dass es den Blutzucker senkt, vor Übergewicht schützt und als Stoffwechselschutz gegen Diabetes dienen könnte.
Martina Lenzen-Schulte
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Quelle: FAZnet;2010-02-010
Bundesweit größtes Zentrum für Nierenlebendspende / Zahl der Organspender konnte 2009 entgegen bundesweitem Trend gesteigert werden
Das Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Heidelberg war auch im vergangenen Jahr sehr erfolgreich: Mit 97 Leber- und 143 Nierentransplantationen und 9 kombinierten Pankreas-Nieren- Transplantationen nimmt es eine Spitzenposition in Deutschland ein und ist im süddeutschen Raum das bei weitem größte Zentrum. Die Zahl der Herztransplantationen konnte mit 25 stabil gehalten werden. Die Zahl der Nierentransplantationen nach einer Lebendspende ist 2009 nochmals deutlich angestiegen (2009: 57), (2008: 43); Heidelberg ist damit das führende Zentrum für Nierenlebendspende in Deutschland. Vor allem wurde die Nierentransplantation vor Beginn der Dialysebehandlung weiter ausgebaut. Insgesamt 34 Organempfänger waren Kinder oder Jugendliche: 25 erhielten eine Spenderniere und 9 ein Lebertransplantat.
2009 konnte auch die Organspende am Universitätsklinikum Heidelberg gesteigert werden: Entgegen dem bundesweiten Trend wurde bei 19 Verstorbenen eine Organentnahme realisiert. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies nahezu eine Verdoppelung und gleichzeitig die Spitzenposition bei den Universitätsklinika in Baden-Württemberg. Die Zahl der potenziellen Spender, die von den Intensivstationen gemeldet wurden, konnte ebenfalls gesteigert werden (2009: 48), (2008: 37). Bei den meisten kam eine Organspende nicht zustande, da medizinische Gründe gegen die Verwendung der Organe sprachen oder die Angehörigen nicht zugestimmt hatten.
Mehr Organspenden durch Engagement der Transplantationsbeauftragten
Die Zahl der Organspender in Deutschland ist 2009 von 1.198 auf 1.217 (+9) nur leicht angestiegen. In Baden-Württemberg sind die Zahlen sogar rückläufig mit (-8) im Vergleich zum Vorjahr, bei insgesamt 128 Organspendern. "Das positive Ergebnis in Heidelberg ist auf das große Engagement der neubestellten leitenden Transplantationsbeauftragten, aber auch der beteiligten Fachabteilungen Neurochirurgie, Neurologie, Kardiologie, Anästhesie, Chirurgie und Pädiatrie zurückzuführen", erklärt der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg, Professor Dr. J. Rüdiger Siewert.
Das Universitätsklinikum Heidelberg hat im Mai 2009 einen wichtigen Schritt unternommen, um die Organspende zu fördern und Dr. Nadja Komm als leitende Transplantationsbeauftragte eingestellt. Als "Inhouse- Koordinatorin" kümmert sie sich - in Abstimmung mit den Fachabteilungen - durch kontinuierliches Monitoring der Intensivstationen und des klinikinternen Ablaufs der Organspende darum, das möglichst alle potentiellen Spender erkannt werden und die Organspende in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten und den Koordinatoren der Deutschen Stiftung Organtransplantation mit den Angehörigen besprochen wird. Dieses Konzept gilt schon jetzt als wegweisend in Deutschland, um Fortschritte bei der Organspende zu erzielen.
Weitere Informationen im Internet:
Über das Transplantationszentrum Heidelberg:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Home.3736.0.html
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Quelle: Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg, Dr. Annette Tuffs, 05.02.2010